chilli - das freiburger stadtmagazin TOP EVENT
Rotteck-Gymnasium, Freiburg, 10.03.2010 19.30
Die Dreigroschenoper
Der gefürchtete Räuberhauptmann Macheath, genannt Mackie Messer, verführt mehr aus Lust als aus Liebe die sorgsam behütete Polly, Tochter des Bettlerkönigs Jonathan Peachum. In einer Nacht- und ... mehr  
MAGAZIN TIPPS PARTY KINO KULTUR ABO IMPRESSUM  
         
  Das aktuelle Magazin  

chilli - das freiburger stadtmagazin

  chilli Sonderpublikationen  

  Weinguide und Gastrotests  

  weitere Publikationen  

 

 
 

CHILLI MEDIENCHECK

 
     
 
DVD Literatur Hörbuch Musik
 
 

 

Zerrissene Umarmungen

 

Universum/Tobis

 
     
 

Ode an die Liebe und ans Kino

 
     
 

Der blinde Schriftsteller und ehemalige Filmregisseur Harry Caine wird durch den Tod des Finanzmoguls Ernesto Martel und einen Besuch dessen Sohnes mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Vor vierzehn Jahren drehte er – damals noch als Mateo Blanco – den nicht nur für ihn schicksalshaften Film „Frauen und Koffer“ und dabei verliebte er sich unsterblich in seine wunderschöne Hauptdarstellerin Lena (erneut mit einer umwerfenden Performance: Penélope Cruz). Das Problem jener Affäre war der Mann, mit dem Lena liiert war – eben jener nun verstorbene Ernesto Martel. Und der hatte in seiner Eifersucht ganz perfide Überwachungsmethoden an den Tag gelegt, indem er seinen Sohn die Dreharbeiten filmen ließ; angeblich für einen Dokumentarfilm, in Wirklichkeit aber um einen filmischen Beweis der Affäre zu haben, denn mithilfe einer Lippenleserin erfährt er aus dem Mund seiner Geliebten, wiesehr sie ihn verachtet. Nachdem Lena mit Mateo aus den Fängen des brutalen Ernesto vorübergehend fliehen konnte, kommt es zu einem tragischen Verkehrsunfall, bei dem Lena stirbt und Mateo sein Augenlicht verliert. Vierzehn Jahre lang lebt er als Harry Caine, den nichts mehr mit seiner Vergangenheit verbinden soll, aber dann holt Mateo Blanco das Schicksal doch wieder ein... Pedro Almodóvar gelang mit dieser gefühlvoll erzählten Geschichte eine wunderbare Hommage an das Kino und an die Liebe. Bei aller Dramatik schafft er es, den Zuschauer mit mal tragischen, mal ungeheuer komischen Szenen, virtuosen Verschachtelungen und einem glänzend aufspielenden, auch mit herrlich schrägen Charakteren besetzten Ensemble in ein Wechselbad der Gefühle zu versetzen. Ganz großes Kino vom exzentrischen spanischen Erfolgsregisseur! Die DVD bietet etwa anderthalb Stunden Bonusmaterial - neben diversen Featurettes und Deleted Scenes auch den gelungenen Kurzfilm „Die menschenfressende Stadträtin“, in dem eine der schrillen Nebenfiguren des Films die Hauptrolle spielt.

Georg Giesebrecht

 
     
     
     
 

 

Limits of Control

 

Universum Film

 
     
 

Sehr geheimnisvoll

 
     
 

Ein geheimnisvoller, schweigsamer Fremder erhält an einem Flughafen einen Auftrag von recht dubiosen Gestalten. Er reist nach Spanien, wo er den Auftrag ausführen soll, trifft dort auf ebenfalls sehr seltsame Gestalten, die ihn per Streichholzschachteln mit Botschaften versorgen, fährt nach jeder Begegnung in eine andere Stadt und kommt aber irgendwie doch nicht so recht vom Fleck, denn je mehr Menschen er im Zusammenhang mit seinem Auftrag trifft, desto mysteriöser wird die Geschichte. Jim Jarmusch hat seinen Erzählstil, seine Art, Begegnungen von Menschen in seinen Filmen zu inszenieren, hier noch einmal perfektioniert. Eigentlich gibt es keinen richtigen Plot in diesem mystisch-meditativen Roadmovie, aber dafür wird viel geschwiegen, vieles bleibt so undurchschaubar, wie es von Anfang an angelegt ist. Die Gastauftritte der prominenten Schauspielerriege – unter anderem mit Bill Murray und Tilda Swinton – sind so kurz gehalten, dass von einer Figurenentwicklung nie die Rede sein kann, auch die Hauptperson, den schweigenden Reisenden, lernen wir nicht wirklich kennen. Er meditiert, trinkt überall, wo er jemanden trifft, zwei Espressi, verschluckt die Zettelchen, die ihm zugesteckt werden und spricht keine fünf Sätze auf seiner Reise. Jim Jarmusch fordert den Zuschauer von „Limits of Control“ heraus, ihn bei der nicht einfachen Reise an die „Grenzen der Kontrolle“ nicht nur passiv zu begleiten, sondern sich selbst über die eigenen Grenzen Gedanken zu machen, sich an die Fragen nach der Identität als eine ständig zu überschreitende Grenze heranzutasten: In welchem der im Film oft variierten Spiegelungen kann ich mich wahrnehmen? Wo finden in meinem Leben unhinterfragte Wiederholungen statt? Was lässt sich aus dem mysteriösen Alltag einer schweigsamen Leinwandfigur auf mich übertragen? Man kann diesen Film auch ohne psychoanalytische Selbstfindungsmotivation anschauen, aber ein Fan von Jim Jarmusch sollte man schon sein, damit sich die spröde Magie des Filmes auch entfalten kann.

Georg Giesebrecht

 
     
     
     
 

B-Girl – Tanz um dein Leben

 

Universum Film

 
     
 

Coole Tänzer, heißer Sound

 
     
 

Angel ist drauf und dran, in ihrer schwarzen Macho-Umgebung in Brooklyn als weiße Breakdancerin so richtig durchzustarten, da dreht ihr Ex-Lover durch, ersticht Angels Freundin und verletzt sie selbst schwer. Angels Mutter flieht mit ihrer Tochter aus New York zur Oma nach Los Angeles. Dort erholt sich Angel von dem Überfall, setzt aber alles daran, so schnell wie möglich wieder an die Ostküste zurückzugehen. Doch als sie die „Flavor Kings“ kennen lernt, eine Tanz-Crew von fünf Jungs, die dringend noch Verstärkung für den nächsten großen Battle brauchen, da vergisst Angel zum ersten Mal New York und bewirbt sich eindrucksvoll an ihrem neuen Dancefloor. Sie bekommt die Chance, es allen in L.A. zu beweisen, dass sie zur Elite der B-Boys und B-Girls gehört. Soweit die ohne großen Pathos erzählte Geschichte von Angel, deren nicht gerade intaktes Familienleben – alleinerziehende, trinkende Mutter – zwar etwas arg zusammengestrickt wirkt, aber eh nur den nötigen Rahmen abgibt für das eigentliche Geschehen in diesem Film: die tollen Tanzszenen mit unglaublichen Choreographien und einem starken Soundtrack! Hauptdarstellerin Julie ‚Jules’ Ulrich tourt seit Jahren quer durch die Staaten und hat sich in unzähligen Battles zu einem wahren B-Girl hochgetanzt. Aber dieses Filmdebüt zeigt: Sie besitzt auch schauspielerische Qualitäten, die sie wohl zukünftig noch abseits des Dancefloors unter Beweis stellen kann. Eine gute Dreiviertelstunde Bonusmaterial liefert noch viele weitere geile Tanzeinlagen.

Georg Giesebrecht

 
     
     
     
 

Holocaust

Die Geschichte der
Familie Weiss

Polyband

 
     
 

Zeitlos wichtig, zeitlos sehenswert

 
     
 

Vor genau 30 Jahren lief im deutschen Fernsehen eine US-Fernsehserie, die seinerzeit bereits im Vorfeld der Ausstrahlung für ein immenses Aufsehen und kontroverse Diskussionen sorgte und die auch heute noch als eines der wichtigsten Kapitel der TV-Geschichte gilt: der Vierteiler "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss". Keine Sendung hatte bis dahin die deutsche Bevölkerung in diesem Ausmaß aufgerüttelt und emotional bewegt, da nie zuvor anschaulicher dargestellt wurde, was Rassenfanatismus, Gleichgültigkeit und Herzlosigkeit Menschen antun können. Der persönliche Leidensweg einer Familie kann eine wesentlich tiefere Erschütterung hervorrufen als eine anonyme, nicht fassbare Zahl von 6 Millionen Opfern. Nicht allein deshalb war die Serie so bedeutend; erstmalig wurde in der Nachkriegszeit derartig in den Medien und in der Öffentlichkeit über den Genozid an den europäischen Juden ernsthaft diskutiert, und sogar an Schulen wurde der Film vorgeführt und diskutiert. Der Film erzählt die Geschichte der Judenverfolgung und -vernichtung unter den Nationalsozialisten am Beispiel zweier (fiktiver) Familien, der "arischen" Familie Dorf sowie der jüdischen Arztfamilie Weiss, deren Schicksale auf tragische Weise miteinander verbunden wurden. Der Jurist Erik Dorf wird unter dem Einfluss seiner ehrgeizigen Frau zum persönlichen Schergen des SS-Chefs Heydrich, steigt später zum Sturmbannführer auf und entwickelt sich während seiner Nazikarriere zu einem "ausgebildeten" Massenmörder. Währenddessen erfährt die Familie Weiss die zunehmende Bedrohung seitens der Nationalsozialisten, weigert sich jedoch, ihr Heimatland zu verlassen. 1938 werden sie Opfer erster brutaler Übergriffe, mit katastrophalen Folgen für einige Familienmitglieder. So werden das Ehepaar Weiss und ihr Sohn Karl, verheiratet mit der "Arierin" Inga Helms, nach Erlass der Nürnberger Gesetze und der sog. Reichskristallnacht in das Konzentrationslager Buchenwald und nach Polen deportiert. Ausgezeichnet wurde "Holocaust" unter anderem mit 8 Emmy Awards (dem TV-Oscar) sowie 2 Golden Globes, und der Erfolg ebnete den Weg für die eindrucksvolle Karriere der späteren Oscar-Gewinnerin Meryl Streep, die ja am 22.06.2009 ihren 60. Geburtstag feierte. Darüber hinaus beeindruckten hochkarätige Schauspieler wie James Woods, Rosemary Harris, Ian Holm, Fritz Weaver, David Warner, Nigel Hawthorne, Joseph Bottoms oder Käte Jaenicke durch ihre intensiven Darstellungen. polyband Medien veröffentlichte nun in einer aufwändigen 4-DVD-Box "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss" (Gesamtlaufzeit: 415 Minuten) inclusive englischer Sprachfassung und deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte.

Inhalt:
DVD 1: „Die Hereinbrechende Dunkelheit“ (1935 - 1940) DVD 2: „Die Straße Nach Babi Yar“ (1941 - 1942)
DVD 3: „Die Endlösung“ (1942 - 1944)
DVD 4: „Die Überlebenden“ (1944 - 1945)

 
     
     
     
 

Nordwand

Bergsteigerdrama

Majestic

 
     
 

Starkes Spiel mit kleinen Schwächen

 
     
  Die Geschichte spielt zwei Jahre vor der tatsächlichen Erstbesteigung der Eiger Nordwand, kurz vor den Olympischen Spielen in Berlin. Die Nazis wollen arische Helden sehen, Bergsteiger sind dafür prädestiniert, Heldengeschichten zu liefern – vorausgesetzt sie schaffen es als Erste die berühmt-berüchtigte Wand zu besteigen. Toni Kurz (Benno Fürmann) und sein Freund Andi Hinterstoisser (Florian Lukas) sind aber in diesem Sommer nicht die einzigen Bergsteiger, die sich an der „Mordwand“ versuchen. Neben den beiden Kletter-Assen aus Berchtersgarden nimmt zeitgleich eine österreichische Seilschaft mit Willy Angerer (Simon Schwarz) und Edi Rainer (Georg Friedrich) den Kampf gegen den Berg auf. Unter den Zuschauern des Spektakels befindet sich auch der nazitreue Berliner Journalist Arau (Ulrich Tukur) und die Volontärin Luise (Johanna Wokalek), Tonis Jugendliebe. Anfangs scheint alles gut zu laufen für die beiden Seilschaften, aber dann schlägt das Wetter um, ein Steinschlag trifft Willy am Kopf, Rückzug ist angesagt. Ein dramatischer Kampf ums Überleben beginnt, und Luise hält es nicht mehr an ihrem Fernrohr am Grand Hotel. Sie will den Mann, den sie immer noch liebt, retten.
Kein Happy End, keine strahlenden Helden und keine glücklichen Liebenden in diesem packenden, gut gefilmten Drama, das weniger in der bergsteigerischen als in der zeitgeschichtlichen Darstellung ein paar Schwächen aufweist. Denn unsere Helden in spe werden mal kurz im Vorbeigehen zu Rebellen gegen das Regime stilisiert, indem sie die „Heil Hitler!“-Grüße der Kameraden mit „Servus!“ beantwortet haben wollen. Die ganze Last des Nazi-Hintergrunds trägt der schmierig-schleimige Journalist Arau, diese Rolle füllt Ulrich Tukur aber ganz grandios aus, man möchte ihn stellvertretend für die arme Luise und einige der von ihm belästigten Gäste des Grand Hotels ohrfeigen für seine Unverschämtheiten. Übertroffen wird er von dem intensiven Spiel der Theaterfrau Johanna Wokalek, die hoffentlich noch öfter auf der Leinwand und damit auch vom Heimkinosessel aus zu sehen sein wird.
Das etwa einstündige Bonusmaterial zu dem knapp zweistündigen Hauptfilm kann sich sehen lassen. Neben dem Making Of und einer Auswahl an rausgeschnittenen Szenen gibt es einen kurzen Film über das Filmteam, das den Eiger erklimmt. Im Audiokommentar hören wir Benno Fürmann und Regisseur Philipp Stölzl.
Georg Giesebrecht
 
     
     
     
 

Jacques Cousteau Edition

Seine großen Kinofilme

& die Geheimnisse des
Meeres, Teil 1 & 2

Pierrot le Fou Filmvertrieb

 
     
 

Der Pionier

 
     
 

Für heutige Fernsehzuschauer und Kinogänger sind spektakuläre Naturfilme oft gar nichts Besonderes mehr. Aufwendige Produktionen, die tolle Bilder aus den entlegensten Winkeln der Erde zeigen, finden aber trotz der Konkurrenz aus Internet, Computerspiel und Actionfilm noch immer viele Freunde, wie zuletzt die Geschichten um Pinguine, Eisbären oder ?Unsere Erde" bewiesen haben. Was aber im heutigen High-Tech-Zeitalter als selbstverständlich hingenommen wird, hat seine technischen Ursprünge in der grauen Vorzeit, als es noch keine Computer gab und Fernsehen noch ein Luxusvergnügen für die reichen Nachbarn war. Der wohl wichtigste Pionier auf dem Gebiet des Unterwasserfilms hieß Jacques-Yves Cousteau, ihm widmet der Münchner Filmvertrieb Pierrot le Fou eine eigene Edition, bestehend aus drei DVD-Boxen, die Anfang September auf den Markt gekommen ist.

Jacques Cousteau hat von Mitte der 60er Jahre an 13 Jahre lang ein millionenfaches Publikum mit seiner Fernsehserie ?Geheimnisse des Meeres" regelmäßig an den Bildschirm gefesselt. Der ehemalige Korvettenkapitän hat schon in den 30er Jahren mit selbst entwickelten Kameras und Gerätschaften erste Unterwasserfilme gedreht und Tauchroboter sowie Forschungs-U-Boote entwickelt. Mit einem umgebauten Minensuchboot zog er 1951 von der südfranzösischen Mittelmeerküste los, um die Weltmeere zu erforschen. Bei den Expeditionen der ?Calypso" entstand nicht nur das Material für die TV-Serie ?Geheimnisse des Meeres", Cousteau und sein Team drehten auch Spielfilme, von denen drei auf einer der Boxen zu finden sind: Die Schweigende Welt (1956) war der erste Dokumentarfilm der in Cannes die Goldene Palme und im Jahr darauf sogar noch den Oscar gewinnen konnte; einen zweiten Oscar gab es für ?Welt ohne Sonne" (1964), den zweiten Film der Kino-Edition. Die dritte Produktion ?Reise ans Ende der Welt" (1976) führte Cousteau und seinen Sohn als erstes Forscherteam in die Unterwasserwelt der Antarktis, er ist bisher nicht in Deutschland veröffentlicht worden. Neben diesem erstmals hierzulande zugänglichen Spielfilm findet sich auf der Cousteau-Edition auch   weiteres bisher unveröffentlichtes Bildmaterial.

Mit den zeitlos schönen und auch nach heutigen Maßstäben immer noch spektakulären Bildern von den jahrelangen Expeditionen des Meeresforschers weckt diese Edition das ökologische Bewusstsein beim Zuschauer für das verletzliche Ökosystem Meer, denn das ist nicht nur nach Tankerunglücken gefährdet. Der Mann mit der roten Mütze war nicht nur ein Pionier auf dem Gebiet der Tiefseeforschung, er gehörte auch zu den ersten Menschen, die sich für ökologische Belange einsetzten; lange bevor es Umweltverbände gab, machte Cousteau mit der Kamera in der Hand Lobbyarbeit für bedrohte Tierarten in den Meeren dieser Welt.

Georg Giesebrecht

 
     
     
     
 

Control

Filmbiographie über

Ian Curtis

Capelight Pictures

 
     
 

Intensives Spiel, starkes Debüt

 
     
  Anton Corbijn war bis vor kurzem hauptsächlich als Musikfotograf und -videoproduzent von Bands wie U2, R.E.M. oder den Stones bekannt. Im Januar 2008 lief sein erster Spielfilm erfolgreich in den deutschen Kinos. „Control“ ist eine eindrucksvolle filmische Annäherung an Ian Curtis, den legendären Sänger von „Joy Division“, der sich einen Tag vor der geplanten ersten US-Tour der Band 23-jährig erhängte.
Regisseur Corbijn kannte Ian Curtis persönlich, eines seiner ersten Foto-Shootings in England hatte der Holländer mit der Band an einer U-Bahn-Haltestelle. Er erinnert sich daran, dass sein Englisch damals noch so schlecht war, dass er auch gar nicht wusste, wovon Ian in seinen Liedern sang. Aber ihm war klar, dass es um schwerwiegende Dinge ging, einfach wegen der Art, in der sie gesungen wurden. Die Nähe zur Musik von Joy Division spiegelt sich auch in Corbijns Film wider: In düsterem Schwarz-Weiss fängt er Bilder einer unfreundlichen Umgebung ein, in der Ian Curtis aufgewachsen ist, in der er früh seine Debbie geheiratet und eine Tochter mit ihr bekommen hat. Dass der Mann nicht glücklich war, das bringt Sam Riley als Ian Curtis unglaublich echt auf die Leinwand. Man muss sich mal die alten Videos der Band anschauen, da gibt es beeindruckende Ähnlichkeiten, ohne dass Riley’s Spiel wie eine aufgesetzte Kopie des echten Curtis wirkt. Es sind vielmehr auch die vielen Zwischentöne, die die Ausweglosigkeit dieses genialen, depressiven, an Epilepsie erkrankten jungen Musikers zeigen, sein hilfloses Schweigen im Angesicht seiner verzweifelten Frau, und auf der anderen Seite die wenigen Momente, in denen er ganz er selbst sein kann, nämlich auf der Bühne mit seiner Band, in seiner Musik…
Nicht nur das intensive Spiel von Sam Riley und Samantha Morton (als seine Frau Debbie) machen dieses starke Regiedebüt so sehenswert, es sind auch die ruhigen Bildfolgen, die gänzlich unspektakuläre Darstellung der Lebensumstände Ende der 70er in und um Manchester, die uns Ian Curtis, diese so gar nicht heldenhafte, wichtige Stimme des Post-Punk noch einmal ganz nahe bringen. Ende Mai hat Capelight Pictures den Film auf DVD herausgebracht, es gibt sie als Single-Edition mit einem Audiokommentar des Regisseurs und als Special-2-DVD-Edition mit Making-Of, Konzertszenen und Interviews.
 
     
     
 
   

 

Gespräche mit Gott

nach dem Bestseller von Neale Donald Walsch

TAO Cinemathek

   
 
     
 

Innerhalb kürzester Zeit verliert der erfolgreiche Geschäftsmann Neale Walsch (beeindruckend dargestellt von Henry Czerny, der übrigens den Doktor Briggs in "Der Exorzismus von Emily Rose" spielte) seine Frau, seinen Job, seine Wohnung und seine Gesundheit. Bald findet er sich dort wieder, wo er sich selbst nie vermutet hätte, als Obdachloser auf einem Campingplatz an einem See in Oregon. Er lernt, sich mit dem Sammeln von Pfanddosen über Wasser zu halten und als es dann durch ein Jobangebot als Radio-DJ wieder aufwärts zu gehen scheint, bekommt er den endgültigen Dämpfer, als der Sender pleite geht und er vor verschlossenen Studiotüren steht. Am Boden zerstört schreibt er wütende Briefe an Gott und bekommt eines Tages durch eine innere Stimme tatsächlich auch Antwort. Damit beginnt die Wende in seinem Leben.

Obwohl der Film sich erst einmal wie ein Werbeclip für eine christliche Vereinigung anfühlt und man sich in die sehr mainstreamig erzählte Geschichte zunächst schwer einlassen kann, entwickelt sich nicht zuletzt durch die gute schauspielerische Leistung von Henry Czerny eine sehenswerte Umsetzung des millionenfach verkauften gleichnamigen Buches von Neale Donald Walsch. Neben der einfachen Version kommt am 13. Juni auch eine Premium DVD-Edition auf den Markt mit fast vier Stunden Bonusmaterial, zu dem auch ein längeres Interview mit dem Autor über seine Lebensphilosophie gehört. Dass der Film sich über ein halbes Jahr in den deutschen Kinocharts erfolgreich behaupten konnte, liegt sicher nicht nur an der Empfänglichkeit vieler Menschen für die Thematik, die Walsch anspricht, da hat auch die solide Arbeit des Oscar-prämierten (?Hinter dem Horizont") Regisseurs und Produzenten Stephen Simon ihren Teil dazu beigetragen.

gegi

 
     
     
     
 

A Scanner Darkly

Animations Drogen-Drama

Warner Brothers

 
  Paranoider Comic (S)Trip  
     
  Der 1982 verstorbene Autor Philip K. Dick ist bei Science-Fiction-Fans kein Unbekannter. Viele seiner Werke wie Blade Runner, Total Recall oder Minority Report fanden bereits erfolgreich den Weg auf die Leinwand.
Deutsche Kinofans mussten auf die Verfilmung seines autobiographisch veranlagten Werkes „A Scanner Darkly“ lange warten, doch vor wenigen Wochen erschien es endlich auf DVD.
Das Amerika der Zukunft ist den Drogen verfallen, genauer gesagt einer Droge, Substance D. Dieses Zeug, was Heroin aussehen lässt wie Kopfschmerztabletten, überflutet das Land und macht hochgradig abhängig. Um es mit den Worten eines Junkies zu sagen, entweder man ist drauf oder man hat es nie probiert.
Im Mittelpunkt steht der Drogenfahnder mit dem Decknamen Fred (Keanu Reeves), dessen wahre Identität mittels eines so genannten Jedermanns-Anzug (im englischen Scrambler Suit) verborgen bleibt. Dies ist auch besser so, denn im wahren Leben heißt Fred Bob Actor und ist selbst Substance D verfallen. Er lebt mit zwei nicht minder abhängigen Freunden und seiner Freundin Donna (Winona Ryder) in einem heruntergekommenen Haus.
Die Probleme nehmen ihren Lauf, als Bob Actor verdächtigt wird, der Kopf eines Drogen-Rings zu sein und schon wird Fred auf sich selbst angesetzt …
A Scanner Darkly ist ein unglaublich vielschichtiger Film, Fans von Popcorn- und Mainstream Kino werden an diesem Werk keine Freude haben. Wer sich nicht voll und ganz auf die Dialoge (davon gibt es wirklich sehr viele) und die Handlung einlässt, verliert schnell den roten Faden in diesem sehr beklemmenden und optisch imposanten Film, der seine volle Wirkung erst nach zweimaligem Anschauen entfalten kann.
Die Optik spielt in diesem Film eine sehr große Rolle: Zuerst wurde der Streifen mit realen Schauspielern abgedreht, dann wurde das so genannte Rotoscoping Verfahren eingesetzt, sprich die Illustratoren haben 18 Monate lang Bild für Bild nachcoloriert; das Ergebnis ist ein unglaublich cooler Comic-Look, ohne den viele Ideen, insbesondere der Jedermanns-Anzug, nicht umzusetzen wären.
Wer vor einer komplexen Story nicht zurückschreckt und kein Action-Feuerwerk erwartet, kann hier bedingungslos zugreifen und bekommt einen sehr gesellschaftskritischen Film. Bitterer Beigeschmack beim Abspann, denn da flimmern die Widmungen über den Bildschirm: An Freunde des Autors, die den Drogentod starben oder ihr Leben mit schweren Psychosen in Anstalten fristen.
Andreas Aschenbrenner
 
     
     
     
 
DVD-Tipp des Monats:
Flutsch und Weg
Animationskomödie
Paramount/DreamWork Animation
VÖ: 24.Mai
 
   
   
Charme, Witz & Liebe zum Detail    
 
     
 

Das müssen spaßige Vögel sein, die Leute von DreamWorks, die schon „Shrek“ und „Wallace und Gromit“ zum animierten Leben erweckten. Diesen Verdacht legt zumindest das neueste Kunststück aus ihrem Haus nahe. „Flutsch und Weg“ erzählt die Geschichte des verwöhnten, aber einsamen Mäuserichs Roddy, der im Londoner Luxusviertel Kensington residiert. Das angenehme Leben ändert sich schlagartig, als er während eines Kurzurlaubs seiner Menschen unerwarteten Besuch vom prolligen Sid bekommt, einem unangenehmen Artgenossen. Der übernimmt gleich das Kommando in der Wohnung und spült Roddy sogar die Toilette runter in die Unterwelt des Abwassersystems. Dort lernt der unfreiwillig Gestrandete die toughe Rita kennen, eine charmante Schnodderschnauze und unternehmungslustige Piratin. Was die beiden da unten im Kampf gegen durchgeknallte Ninja-Frösche an mäusehaarsträubenden Abenteuern erleben, das ist eine rasant erzählte, mit unglaublich vielen Details und Anspielungen gespickte Actionkomödie. Darüber hinaus mutiert der gute Roddy vom hilflosen Snob zum alltagstauglichen Helden und eine charmant integrierte Liebesgeschichte darf auch nicht fehlen.
Die heimlichen Helden in „Flutsch und Weg“ sind jedoch die singenden Nacktschnecken mit ihren fulminanten Kurzauftritten. Ihnen räumt der umfangreiche Bonusteil mehr Platz ein als der Hauptfilm; es gibt Musikvideos mit den tierischen Sangeskünstlern, lustige Spiele und außerdem Interviews mit den Schauspielern, die den Trickfiguren ihre Stimmen liehen. Im Original sind das Stars wie Hugh Jackman und Kate Winslet, in der deutschen Version sind Ralf Bauer als Roddy und Jessica Schwarz als Rita zu hören.

Prädikat: Tolle Unterhaltung für Animationsfreunde jeden Alters.
gegi

 
     
 
Leserumfrage
 
 
Link zum Euroairport
 
 
 
 

Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen

 

CHILLI KALENDER
Ein Klick zum Kick

 
 
  März 2010  
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      
 
  CHILLI TODAY  
  Boy Omega  
  Alexander Laner - Unter unserem Himmel  
  Die Swinger  
  after work club  
  Mörder, Gräber und Gespenster  
  Schwarze Löcher  
  Die Schattenspringer  
  On the Road Again  
  Carl Verheyen  
  Indien  
  Eva & Lilith - Strapse oder Bügelbrett  
  Die Verwandlung der Welt  
  Martina Schwarzmann  
  Michael Sens  
  Wiener Blut  
  Die Dreigroschenoper  
  Fidelio  
  Move to Groove